07.05.2019, Berlin

das salonfestival: 100 Jahre Bauhaus und die Zukunft der Moderne

Vom Bauhaus heißt es, es sei der bedeutendste Beitrag der Deutschen zur Kultur der Moderne des 20. Jahrhunderts. Ja, es habe die Moderne mit seiner klaren Formensprache, seiner Reduktion auf das Eigentliche, der normierten Ästhetik des Klaren und Funktionalen überhaupt erst erfunden.

Und in der Tat: Die Architektur hat sich für immer von üppig verzierten Prunkbauten verabschiedet, und in Neubaugebieten reihen sich Häuser ohne Schnörkel oder ausgefallene Arrangements zu schlichten, kubischen Gebilden mit flachen Dächern und geraden Schnitten. Wer seine Wohnung stilvoll einrichten will, kann auf eine große Auswahl an Designs in glatter und geradliniger Formensprache zurückgreifen.

Der Bauhausstil lebt bis in unsere Gegenwart weiter, gilt immer noch als innovativ, fortschrittlich und modern. Das Bauhaus wollte die Menschen erziehen, durch strenge Formvorgaben und Funktionalismus eine egalitäre Gesellschaft hervorbringen, denn – so Walter Gropius – „Bauen ist Gestaltung von Lebensvorgängen.“

Kann eine Bewegung, die ihre Zeit erneuern wollte, nach 100 Jahren überhaupt noch modern und visionär sein? Was sind die Anforderungen unserer Zeit, die geprägt ist von ähnlichen Themen wie Wohnungsnot oder sozialer Ungleichheit, die aber noch wesentlich pluralistischer ist als zu Beginn des 20. Jahrhunderts? Weiße Dämmputzkisten, die als Bauhausstil beworben werden, können die Antwort nicht sein für eine Zukunft unserer Moderne. Welche kühnen Entwürfe, innovativen Konzepte des Bauhauses sind für uns heute noch von Bedeutung?

Tatsächlich gingen nur wenige Entwürfe und Ideen des Bauhauses in Serie und erfüllten somit ihren eigentlichen Anspruch nicht. Warum konnte dennoch ein solcher Mythos aus dem Bauhaus werden? Welche Visionen sind für uns heute noch relevant? Und welche Ideen für unsere heutigen Anforderungen veraltet, da – vielleicht schon zu Bauhauszeiten – zu eng gedacht? 

Laura Weißmüller ist Architekturkritikerin im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung. Besonders interessiert sie die Frage, welche Art von Gestaltung vonnöten ist, damit die Gesellschaft sich trifft.

Johannes Kister ist Professor für Entwerfen und Baukonstruktion an der Hochschule Anhalt am Bauhaus Dessau und Partner im Architekturbüro kister scheithauer gross (ksg-architekten) mit Büros in Köln und Leipzig.

das salonfestival: 100 Jahre Bauhaus und die Zukunft der Moderne

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