15.07.2019, München

das salonfestival

Gespräch. Matthias Lilienthal versteht das Theater als einen politischen und offenen Ort, an dem die Gegenwart verhandelt wird, und als Labor zur Erforschung urbaner Lebensformen. Für diese Überzeugung stehen auch seine künstlerischen Stationen: In den Neunzigerjahren war er Chefdramaturg an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz unter Frank Castorf und initiierte u.a. das Engagement von Christoph Marthaler und Christoph Schlingensief ans Haus. Von 2003 bis 2012 war er künstlerischer Leiter und Geschäftsführer des HAU (Hebbel am Ufer) in Berlin. Matthias Lilienthal wünscht sich eine Kultur der politischen Debatte, die über das Theater hinaus in die Stadt und in die Gesellschaft hineinwirkt. Wie gegenwärtig und zeitgemäß muss Theater sein? Wie viel Veränderung verträgt das Theater selbst, und muss man Streit als Gegenwartskunst unbedingt befürworten? Darüber sprechen Sonja Zekri und Matthias Lilienthal im Salon.

Matthias Lilienthal wurde mit der Spielzeit 2015/2016 Intendant an den Münchner Kammerspielen. In seine Arbeit am Stadttheater bezieht er freie Gruppen und bestimmte Ästhetiken der freien Szene mit ein und arbeitet mit Theaterkollektiven wie She She Pop zusammen. Zum Ende seiner Vertragslaufzeit wird er die Kammerspiele im Sommer 2020 verlassen. „In München“, so begründet er seinen Entschluss, „ist kein Rückhalt für die Verlängerung meiner Arbeit gewährleistet, nachdem die CSU-Fraktion einen Beschluss gegen eine Vertragsverlängerung gefasst hat.“

Sonja Zekri ist nach Studium, Journalistenschule und freier Tätigkeit seit 2001 Redakteurin der Süddeutschen Zeitung, u.a. als Korrespondentin in Moskau  und danach Kairo. Seit 2015 leitet sie mit Andrian Kreye das Feuilleton der Süddeutschen Zeitung.

 

das salonfestival: Über das Theater der Gegenwart

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